Japans wichtigste Verhaltensregeln sind unkomplizierter, als sie klingen: Ziehen Sie Ihre Schuhe dort aus, wo es verlangt wird, sprechen Sie in Zügen leise, legen Sie Geld auf das kleine Zahlteller und nehmen Sie Ihren Müll mit, bis Sie einen Mülleimer finden. Die beiden echten Tabus betreffen Essstäbchen – stecken Sie diese niemals senkrecht in den Reis und reichen Sie Essen niemals von Stäbchen zu Stäbchen weiter.
Darüber hinaus ist die japanische Etikette meist nur eine etwas aufmerksamere Form der allgemeinen Höflichkeit. Niemand erwartet von Reisenden, dass sie alles perfekt machen. Schon der bloße Versuch bringt Ihnen die herzliche Gastfreundschaft ein, für die Japan berühmt ist.
Die Do's
Ziehen Sie Ihre Schuhe aus im Gen-kan (玄関), dem abgesenkten Eingangsbereich, den Sie in Wohnhäusern, traditionellen Gasthäusern, Tempeln und einigen Restaurants finden. Eine Stufe nach oben, ein Schuhregal oder bereitstehende Hausschuhe sind Ihre Hinweise.
Wenn Toilettenschlappen bereitstehen, wechseln Sie für das Badezimmer in diese – und danach wieder zurück. In Toilettenschlappen zurück in den Speiseraum zu schlurfen, ist der klassische, leicht peinliche Anfängerfehler.
Verhalten Sie sich in Zügen ruhig. Handys werden stummgeschaltet (der sogenannte „Manner Mode“) und Telefonate sind tabu. Stellen Sie sich ordentlich an den Markierungen auf dem Bahnsteig an und lassen Sie die Fahrgäste erst aussteigen, bevor Sie einsteigen.
Nutzen Sie das Zahlteller an den Kassen, anstatt Bargeld direkt in die Hand zu drücken, und tragen Sie Ihren Müll bei sich – öffentliche Mülleimer sind überraschend selten, daher hilft eine kleine Tüte in der Tasche.
In einem On-sen (温泉), einer heißen Quelle, wäscht und duscht man sich gründlich an den kleinen Waschstationen, bevor man ins Becken steigt, und man badet komplett nackt. Das Gemeinschaftsbad dient der Entspannung im sauberen Wasser, nicht dem Waschen. Ein kleines Handtuch bleibt außerhalb des Wassers.
Die Don'ts
Zwei Gewohnheiten im Umgang mit Essstäbchen sind echte Tabus, da beide an Bestattungsrituale erinnern: Stecken Sie Stäbchen niemals senkrecht in eine Schale Reis und reichen Sie Essen niemals von Ihren Stäbchen an die eines anderen weiter. Legen Sie die Stäbchen auf der Ablage oder quer über die Schale ab und reichen Sie Speisen stattdessen von Teller zu Teller weiter.
Essen im Gehen ist eher unüblich als streng verboten – an einem Feststand ist es völlig in Ordnung, beim Gehen durch eine belebte Straße wird es jedoch ungern gesehen. Im Zweifelsfall treten Sie beiseite und essen Sie dort auf.
Putzen Sie sich in der Öffentlichkeit nicht lautstark die Nase; gehen Sie dafür beiseite oder entschuldigen Sie sich. Und halten Sie Ihre Lautstärke in geschlossenen Räumen wie Zügen, Aufzügen und ruhigen Restaurants im Hintergrund.
Auf Rolltreppen steht man auf einer Seite und hält die andere für Gehende frei – auf welcher Seite man steht, ist jedoch regional unterschiedlich. In Tokio steht man links, in Osaka rechts. Beobachten Sie einfach die Einheimischen und machen Sie es ihnen nach.
Ein paar Sätze, die alles erleichtern
Mit nur drei Wörtern, alle in der höflichen Form, meistern Sie fast jede Alltagssituation.
すみません
su-mi-ma-sen
Entschuldigung / Verzeihung
お願いします
o-ne-ga-i-shi-ma-su
Bitte (wenn man um etwas bittet)
いただきます
i-ta-da-ki-ma-su
Guten Appetit (vor dem Essen gesprochen)
Su-mi-ma-sen (すみません) allein deckt „Entschuldigung“, „Verzeihung“ und ein dankbares „Vielen Dank für die Mühe“ ab. Dass man in Japan kein Trinkgeld gibt, ist eine weitere Besonderheit, über die es sich zu lesen lohnt – siehe warum Sie in Japan kein Trinkgeld geben sollten –, aber ein ehrliches, oft genutztes Wort ist die wichtigste Etikette von allen.
Lernen Sie weiter Japanisch
Gute Manieren und ein paar nützliche Sätze gehören einfach zusammen. Lernen Sie die Ausdrücke, die Sie wirklich brauchen, mit unseren kostenlosen Japanisch-Reisesätzen und üben Sie sie anschließend mit Audio- und Sprechübungen in der Pretalk-App, damit Ihnen ein höfliches su-mi-ma-sen im richtigen Moment ganz natürlich über die Lippen geht.